Mein Besuch auf der INNATEX – und meine persönlichen Highlights. Part 1.

Vor guten 2 Wochen war ich zu Besuch auf der INNATEX. Die INNATEX ist die größte internationale Fachmesse für nachhaltige Textilien und findet immer zwei Mal im Jahr statt, einmal im Winter und einmal im Sommer. Schon vor einem halben Jahr durfte ich diese tolle Messe besuchen und war spontan begeistert (dazu lest Ihr mehr hier und hier). Ehrlich gesagt hatte ich nicht viel erwartet und wurde völlig platt gemacht von der Fülle an tollen Firmen, an Innovationen und auch Traditionsunternehmen, die schon lange im Bereich Nachhaltigkeit aktiv sind.

Dieses Mal wurde ich netterweise dazu eingeladen einen kleinen Workshop mit der Bloggerrunde aktiv zu begleiten. Der Schwerpunkt lag hierbei auf dem Thema Baby- und Kindermode und einer entsprechenden Präsentation im Netz (dazu demnächst mehr). Es hat total Spass gemacht, da wir auch eine lockere und sehr nette Runde an Bloggern waren! Mit von der Partie waren Green4Family, TerraVeggia, PlastikfreiLeben, Munchkinshappyplace, Mutterkindblog, Subvoyage, GreenLooksGreat, The OGNC, Mamemelie und Annanikabu.

Nach ein paar Programmpunkten und Vorträgen hatte ich die Möglichkeit die Messe auf eigene Faust zu erkunden und die Neuheiten für Frühling/Sommer 2018 der rund 300 Aussteller zu sichten. Ich hatte einige Labels im Kopf, die ich in jedem Fall besuchen wollte, entdeckte aber auch viele neue und tolle Produkte! Meine persönlichen Highlights möchte ich mit Euch natürlich teilen, allerdings teile ich es ein wenig auf und starte hier mal mit meinen ersten 5 Highlights – einer bunten Mischung aus Kinderschuhen, Denim, tollen Kleidern, märchenhafter Kinderkleidung und Upcycling:

KAVAT – mehr als „nur“ Kinderschuhe

Mehr zufällig, als geplant, stolperte ich in den Messestand von KAVAT hinein. Meine Augen waren an einem Paar schöne Kindergummistiefel hängen geblieben, so etwas findet man ja selten, wie ich finde – also zumindest nicht in fair und/oder nachhaltig. Aber dann sah ich das restliche Angebot und war begeistert! Wirklich: jeder Schuh gefiel mir! Schade, dass meine Kinder schon so große Füße haben, denn auch die Schuhe für Erstläufer waren einfach herzallerliebst und dabei von dem skandinavischem Style geprägt, den ich einfach sehr mag.

Nach einem netten Gespräch war mir klar: das ist mein persönliches Kinderschuh-Highlight dieser Messe!

KAVAT blickt auf eine lange Firmengeschichte zurück, die 1945 in Schweden begann, wobei das Unternehmen zu diesem Zeitpunkt noch Ymer hieß. Aber schon damals wurden Kinder- und Erwachsenenschuhe mit einem hohen Qualitätsstandard und unter Berücksichtigung der Nachhaltigkeit produziert. In den 70ern ging das Unternehmen in die nächste Generation über, bekam seinen Namen vom Familiendackel Kavat (steht für „neugierig“) und schaffte es in einer wirtschaftlich schweren Zeit für Schuhhersteller weiterhin am Markt erfolgreich zu sein.

KAVAT wurde zu einer internationalen Marke. Die Umsiedlung der Produktionsstätte nach Travnik, Bosnien und Herzegowina war eine logische Schlussfolgerung, nachdem das Unternehmen viele Flüchtlinge aus dieser Region eingestellt hatte, die nach Schweden gekommen waren. Auch, weil Bosnien und Herzegowina auf eine lange Tradition des Schuhmacherhandwerks zurückblicken kann. Dort fand KAVAT die Strukturen, die der Marke in Schweden fehlten: sehr gut ausgebildete Handwerker und qualifizierte Vertragspartner.

Das weiche, wasserabweisende Leder, was KAVAT verwendet, steht nicht nur für ausgezeichnete Qualität und hohen Tragekomfort, sondern auch für eine umweltfreundliche Verarbeitung ohne Chemikalien und eine chromfreie Gerbung. Als erster Kinderschuh weltweit wurde 2008 das Modell „Edsbro“ aus Eco Performance Leder mit dem EU-Ecolabel zertifiziert. Bei Schuhen und Accessoires, die mich oder die Kinder lange und gut begleiten sollen, finde ich Leder auch immer wieder eine denkbare Möglichkeit. Vor allen Dingen, wenn es aus guter Tierhaltung stammt. Bei Schuhe ist es mir auch fast noch lieber als Plastik, da man sie nun mal sehr nah am Körper trägt.

Und auch die Erwachsenenschuhe habe ich dann (leider) entdeckt und befürchte, dass ich nicht Drumherum komme, mir eine solche zeitlose Stiefellette zuzulegen…

GoodSociety – endlich mal geiles Denim und dennoch nachhaltig!

Ok, ich geb’s zu: ich hab mich bisher schwer getan mit den nachhaltigen Jeans-Labels. Irgendwie war es dann am Ende doch nicht diese eine Jeans, die ich sowohl vom Schnitt gut fand, als auch von der Waschung – und die doch die Cleanness hatte, die ich bei einer Jeans erwarte.

Für diese INNATEX hatte ich mir vorgenommen: dieses Mal schaffst Du es zum Stand von GoodSociety zu gehen. Gesagt, getan – und da war sie: die für mich perfekte Mischung aus cleaner Jeans, gutem Schnitt und eben Bio-Material. Gründer Dietrich Weigel war auch persönlich da und nahm sich viel Zeit für ein Gespräch über die Geschichte von GoodSociety.

2007 in Amerika gegründet, produziert und verarbeitet GoodSociety seine Frauen- und Männerjeans ausschließlich in Italien. Als Material kommt dabei nur GOTS zertifizierte Baumwolle in Frage und auch die Patches auf der Jeans sind vegan. Die ethischen Arbeitsbedingungen sind Dietrich Weigel dabei genauso wichtig, wie das Material, was zum Einsatz kommt. Die Schnitte sind sowohl zeitlos, als auch modisch inspiriert. Ein besonderes Highlight war für mich, dass alle Jeans ein PETA-Zertifikat bekommen habe, da sie keinerlei tierischen Produkte enthalten!

Meine nächste Jeans ist in jedem Fall eine von GoodSociety – meinen persönlichen Favoriten als klassische everyday Jeans verlinke ich Euch hier.

HappyGods – glückliche Götter und junge Kleider

Martin und Gauri von HappyGods muss man einfach mögen! An ihrem Stand bin ich eher zufällig vorbei gekommen, kurz stehen geblieben und dann zum Glück mal ganz nah dran gegangen an die schönen Kleider. Habt Ihr schon mal natürlich gefärbtes Schwarz gesehen? Ich sag‘ Euch: es hat eine Tiefe, die ein „normales“ Schwarz nicht hat. Es ist wie ein Schwarz von einem Stein mit leichtem Schimmer und dennoch matt. Für mich war es nahezu unglaublich, dass es wirklich lediglich natürlich eingefärbt wurde.

HappyGods wurde vor 2 1/2 Jahren von Martin und Gauri gegründet, ziemlich parallel lief die wunderschöne Liebesgeschichte der Beiden – Ihr könnt Euch also denken, dass auch ganz viel Liebe in den einzelnen Stücken steckt. Gauri stammt aus Indien und ist dort in einer Familie voller Power-Frauen aufgewachsen, die eine kleine Textilfabrik mit guten Arbeitsbedingungen führte. Irgendwann wuchs der Gedanke in Gauri neben guten Materialien auch gute, also natürliche, Farbe zu verwenden. Sie experimentierten viel und entwickelten am Ende Farben, die auch beim Waschen nicht verblassen – und die fernab von dem „Öko- und Batik-Klischee“ sind.

Ihre Schnitte sind jung, aber auch zeitlos – und für mich sind alle Kleider so „rund“, dass sie keiner weiteren Kleidung mehr bedürfen, um gut angezogen zu sein. Alle Sachen werden in Indien produziert und verarbeitet, dabei kennen die Beiden jeden Mitarbeiter persönlich. Verwendet wird natürlich nur GOTS zertifizierte Bio-Baumwolle. Als Ihr Label und Ihre Farbeprozesse ebenfalls das GOTS-Zertifikat bekamen, war das ein großer Meilenstein für HappyGods.

Martin und Gauri verfolgen bei all‘ dem was sie tun, eine klare Linie: sie wollen nicht dogmatisch sein, aber immer gut zur Umwelt und den Menschen, so dass die Götter glücklich sind.

Enfant terrible – märchenhafte Kinderkleidung

Enfant terrible“ hatte mir für den „Flat Lay“ Workshop freundlicherweise ein schönes Kleidungsstück zur Verfügung gestellt. Da dies mir schon so gut gefiel, wollte ich natürlich auch den erst der Kollektion auf der Messe ansehen. „Enfant terrible“ benutzt ausschließlich GOTS zertifizierte Baumwolle, produziert in der Türkei und achtet dabei ständig auf gute Arbeitsbedingungen.

Gegründet wurde das Label in Stuttgart, als Barbara Lorch, selbst Mama von zwei Kindern, immer wieder feststellte, wie schwierig es ist, gute Kinderkleidung zu bekommen. Denn BIO-Baumwolle steht selbst beim Discounter schnell dran… besonders wichtig war ihr dabei, dass die Kleidung nicht „öko“ aussieht, auch wenn sie aus Bio-Qualität hergestellt wurde. Hilfreich bei der Entwicklung der Kollektionen ist Barbaras Mode-Design-Erfahrung aus langjähriger Tätigkeit im Bereich Damenbekleidung.

Für mich sind die Kollektionen von „Enfant Terrible“ vor allen Dingen eins: total schön! Es ist für mich die richtige Mischung aus Farben, Mustern, Verspieltheit und doch ist es nicht zu viel des Guten.

Verena Bellutti – UpCycling as its best: wunderschöne Taschen!

Was soll ich sagen? Die Sachen von Verena Bellutti haben mich einfach umgehauen! Ich kam an ihrem Stand im Bereich der Design Discoveries auf der INNATEX und hatte eins entdeckt: die perfekte Handtasche. Ich muss auch hier sagen, dass ich bis jetzt unter den veganen und auch fairen Taschenlabels noch nicht das Richtige für mich gefunden hatte. Tja, jetzt weiß ich wohl, was auf meiner Wunschliste steht…

Verena Bellutti ist dazu auch noch eine unglaublich sympathische Frau, die mit viel Freude und Herz bei der Sache ist. Ihre Idee, Verschnitte von Plastikplanen in Handarbeit zu modischen Accessoires umzunutzen, hat sie meiner Meinung nach mehr als perfekt umgesetzt. Die Kollektion ist unglaublich stylish und das Material fühlt sich einfach großartig an! Bei den tollen Farben wird es mir sicher auch schwer fallen, mich zu entscheiden…

Jedes Stück ist ein Einzelstück und wird in Innsbruck gefertigt. Das Material ist dazu unzerstörbar und hält jedem Wetter stand. Ihr merkt, ich komme aus dem Schwärmen nicht mehr raus… aber hey, mal ganz ehrlich: das ist doch einfach ein supercooles Label, oder?

 

Die Bilder wurden mir freundlicherweise von den Labels zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür.
Folgt mir doch auch hier:

1 Kommentar

  1. Muntermoni_ka sagt: Antworten

    Danke für diesen Beitrag. “ leider “ verfällt man allein durch das Lesen deines Beitrags in Kaufrausch 😀 liebe Grüße, moni

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