Weniger. Besser. Bewusster. Langsamer. Fairer.

Tja… wie fange ich diesen Blogpost an…? Nach einiger Zeit Ruhe hier auf dem Blog (da waren Klausuren, dann Weihnachten, dann Silvester und dazwischen und danach ein großer Umzug mit allem drum und dran) muss ich jetzt wieder den Einstieg finden.

Aber nun zu meinem eigentlichen Thema:

Am Sonntag war ich mit meiner Blog-Kollegin Stef, die mit mir und Jana den Blog Cookie, Dot and me ins Leben gerufen hat, auf der INNATEX – die Messe für nachhaltige Textilien. Und nicht dass Ihr denkt „da besucht die einmal so ’ne Messe mit Nachhaltigkeit und so und schwupps ist sie selbst auf dem Trip“… ehrlich gesagt ist das schon ein längerer von selbst laufender Prozess bei mir.

Ernährung war immer ein Thema, was ich bewusst angegangen bin. Ich habe mich schon immer eher gesund ernährt, in letzter Zeit auch auf regionale und saisonale Produkte geachtet – und Verschwendung schon immer vermieden. Bei mir gab’s wirklich sehr selten etwas, was ich „zu viel“ eingekauft habe – und wenn habe ich es für irgendwas dann doch noch verwendet. Der Herzmensch war kürzlich noch ganz begeistert, als ich für die Kindergarten-Einstands-Muffins übrig gebliebene Schoko-Weihnachtsmänner (die Kinder bekommen immer viel zu viel Schoko-Kram geschenkt…) und kleine Gummibärchentütchen (gab’s auf diversen Kindergeburtstagen) verwendete. Er meinte, er hätte ohne nachzudenken im Supermarkt Sachen gekauft und nichts „Altes“ weiterverwendet. Heraus kamen Muffins nach Paulas Geschmack mit Schokoguss und Gummibärchen-Deko. Und das ohne was Besonderes zu kaufen, sondern allein aus Dingen, die wir Zuhause hatten. So was mag ich.

Seit mehr als einer Woche fahre ich nun auch mit der Bahn, gehe zu Fuß und benutze kein Auto. In meinem Umfeld stieß es teilweise auf Verwunderung bis hin zu Mitleidbekundungen, dass ich nun aufs Auto verzichten „müsse“. Nichts dergleichen ist notwendig, denn ich freue mich ’nen Ast, dass ich nicht immer ein Auto brauche! Das ist wahrer Luxus für mich…

Da kann mir gerade sogar keine verspätete S-Bahn die Laune verderben – ich find’s einfach großartig!

War es bisher für mich nie möglich den Arbeitsweg, Hin- und Abholen Kindergarten/Schule ohne Auto zu bewältigen, ist es jetzt eben ziemlich praktisch möglich. Ich freue mich, dass ich morgens nicht mehr genervt am Kindergarten nach einem Parkplatz suchen, sondern höchstens mal auf die Uhr schauen muss, um die nächste Bahn nicht zu verpassen.

Ich denke, wir sind an einem Punkt angekommen, hier in den Erste-Welt-Ländern, an dem wir uns über scheinbare Rückschritte freuen können. Soll heißen: aus meiner Sicht ist es nicht das Ziel, endlich die dickste Karre zu fahren, sondern sein Leben so einfach wie möglich zu gestalten, Dinge zu reduzieren und auch im Sinne der Umwelt handeln zu können.

Klar haben wir noch ein Auto. Eins für die ganze Patchworkfamilie – und das nutzt eben der, der es gerade benötigt. Und Urlaube/Ausflüge machen wir natürlich auch damit. Unseren Wunsch ganz aufs Auto verzichten zu können, schaffen wir uns noch nicht zu erfüllen. Aber wer weiß, vielleicht eines Tages – wenn CarSharing nicht mehr nur ein Einzelfall ist. Und bis dahin freue ich mich, dass das Auto mehr steht, als bewegt wird.

Gestern meinte mein Sohn zu mir „Mama, in letzter Zeit haben wir irgendwie mehr von einander..!“. Ein Satz aus dem Mund eines Achtjährigen direkt ins Mutterherz. Wie recht er damit hat… Eine stressige Zeit liegt hinter uns. Und auch wenn noch nicht alle Stressfaktoren beseitigt sind (ein Hoch auf das nahende Studiumsende!), leben wir entspannter – und ja: langsamer.

Ich bin gerne schnell, mache Dinge gleichzeitig, stresse mich selbst. Das ist auch jetzt nicht wie weg geblasen. Aber irgendwie schaffe ich es alles doch ein wenig ruhiger anzugehen. Und ich bin fest davon überzeugt, dass das auch damit zusammen hängt, dass ich stressfreier meine Wege bestreite, mich nicht im Stau ärgere und darüber, dass ich schon wieder tanken muss oder keinen Parkplatz finde.

Jetzt versuche ich also die Nachhaltigkeit in meinem Leben zu verbessern, esse bewusst und entscheide mich bei den Lebensmitteln eher für regionale und gute Produkte, lasse das Auto stehen und bewege mich demzufolge praktischerweise auch noch mehr – lebe also alles in allem recht gesund.

Aber was trage ich auf der Haut?

Wer hat das genäht?

Und was hat derjenige dafür verdient?

Würde ich meinen Wunschtraum leben, würde ich alles selbst nähen können. Dafür fehlt es mir aber an Zeit und auch an Näh-Wissen. Aber irgendwie hat das mit dem Nähen und dem bewussten Textil-Verständnis angefangen. Ich hatte Stoffe in der Hand und fragte mich, woraus sie bestehen und woher sie stammen.

Ich habe schon immer eher Bio-Baumwolle als Polyester getragen. Aber auch ich war Mal bei Primark vor einiger Zeit und habe zwei Teile gekauft für einen Spot-Preis. Und was ist mit den Teilen? Eins besitze ich sogar noch, das Andere war so schnell kaputt, dass selbst auch die paar Euro fehlinvestiert waren. Klar, H&M hat man als Jugendliche bis junge Frau häufig frequentiert, ist ja auch immer super modisch und eben auch eher günstig. Auch die Kinderabteilung habe ich öfter besucht – und ich müsste lügen, wenn ich sage, das tue ich heute nicht mehr. Gerade bei Kindersachen fällt es mir nämlich wirklich schwer rein auf faire Kleidung zu setzen. Da brauchst Du schnell mal eine Regenhose, weil die alte zu klein geworden ist und der Kindergarten schon Druck macht – zack, schnell gekauft.

Aber das ist es vielleicht auch, was man nicht machen sollte: sich dem Druck aussetzen, ab sofort und nur noch nachhaltig einzukaufen. Selbst wenn man wollte, geht es kaum. Aber wenn man darauf achten und nicht wahllos shoppt und sich in eine nachhaltige Richtung bewegt, dann ist es doch die richtige Bewegung. Und nach und nach bekommt man den Dreh raus und findet am Ende sogar nachhaltige und bezahlbare Regenjacken für Kinder…

Lange Rede und…. ja, langer Sinn hoffe ich: auf der INNATEX gab es Spannendes zu entdecken! Und nebenbei noch tolle Gespräche mit anderen Bloggern, die unheimlich inspirierend waren. Wir konnten interessante Unternehmen kennenlernen, die ich Euch demnächst auch noch mal näher vorstellen möchte. Mir hat das den nötigen Denkanstoß gegeben weiter zu machen mit der Nachhaltigkeit in unserem leben als Familie.

Ich möchte alles etwas langsamer angehen, ruhiger, bedachter – und ja auch stressfreier. Möchte weniger konsumieren und das, was ich konsumieren muss noch besser. Möchte bewusster Dinge machen, was sicher mit langsamer einher geht – und fairer leben und das auf lange Sicht in allen Bereichen!

Passend dazu ernähre ich mich seit bald 14 Tagen weizenfrei und zuckerfrei – neben einem angenehmen Gewichtsverlust ohne Verzicht, fühle ich mich einfach echt wohl damit. Ich bin nicht der Typ, der das für immer und ewig aus seinem Leben streichen kann, aber zu 95% vielleicht…?

Meiner Meinung nach geht das auch alles irgendwie zusammen und schlecht getrennt. Ernähre ich mich bewusst und nachhaltig, sollte ich das auch bei den anderen Dingen zumindest versuchen, denn ansonsten hinkt das Ganze irgendwie, fühlt sich nicht authentisch und richtig an. Dennoch meine ganz kalte Botschaft: das ganze ohne Druck!

Du hast Lust, etwas zu ändern? Dann fang klein an und nicht direkt beim großen Ganzen, am Ende ergibt sich daraus sowieso eine Kettenreaktion für einen Weg zu einem nachhaltigeren Leben!

Folgt mir doch auch hier:

2 Kommentare

  1. Sabine Lydia Müller sagt: Antworten

    Liebe Sarah, ein super Beitrag ist das. Ehrlich und authentisch und ich finde es immer klasse, wenn durch Vernetzung neue Impulse und Denkanstöße ins Leben kommen… darum habe ich mit anderen Ubternehmern 2009 dasselbe in grün e. V. den Verband der nachhaltigen Unternehmen gegründet. http://www.dasselbe-in-gruen.de. Hier vernetzten sich nachhaltige Pioniere aus diversen Branchen. Darunter Textiler, Besitzer von Möbelgeschäften, Upcycler, Hotels, Grafiker, eine nachhaltige Krankenkasse, Webdesigner, Colaboristen, PR-Leute, Zahnputzmittelerfinder, Ökostrom-Provider, Bio-Köche, Reisebüros, Ökodruckereien u.v.m. um gemeinsam nachhaltiges Wirtschaften und Konsumieren zu fördern und zu verbreiten. Viel Erfolg auf Deimem ganz persönlichen und individuell justierebaren nachhaltigem Lebensstil ❤️👍🏽🍀

  2. wp.priseliebe.adm sagt: Antworten

    Liebe Sabine,

    vielen Dank für Deinen Kommentar! Ja, mir macht es auch immer viel Freude, neue Inspiration zu bekommen und so einen Weg zu gehen in eine nachhaltige Richtung, ohne all‘ zu viel Druck und eben authentisch! Ich freue mich, wenn wir uns bald mal wiedersehen! 😉 Liebe Grüße,
    Sarah

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