Wie wir dazu kamen, ein Familienzelt zu kaufen. Roadtrip durch Frankreich – ein Urlaubsbericht.

Ok, wir waren spät dran. Urlaub in den Sommerferien buchen erfahrene Schul-Sommerferien-Urlauber bereits und mindestens ein Jahr im Voraus. Bei uns waren es 6-8 Wochen. Aber nun gut. Schließlich wussten wir ja nicht, ob und wie schnell wir eine gemeinsame Patchwork-Bleibe finden. Festlegen wollten wir uns also nicht zu früh und saßen somit 2 Monate vor Urlaubsantritt mit folgender Erkenntnis vor diversen Urlaubsportalen: „Mist, auch schon ausgebucht.“.Wir haderten damit, ob wir überhaupt Urlaub machen sollten. Schließlich könnten wir ja auch schöne Dinge als Tagesausflüge machen. Als die Ideen aber alle irgendwie nicht mehr so ideal klangen, als wir sie in unser dreiwöchiges Zeitfenster einplanten, war das Fernweh groß. Die Familienkutsche stand schließlich auch bereit und irgendwas musste man doch noch finden. Fliegen kam für uns nicht Frage, denn 1. es waren Sommerferien und 2. ist in den Sommerferien alles (Entschuldigung) arschteuer und 3. ist mit 3 Kindern alles außer Autofahren als Transportmittel wirklich (Entschuldigung) arschteuer und 4. waren wir nun mal spät dran.

„Ich hab ja auch zwei Zelte.“, damit fing dann alles an. Ich so: „Ja, stimmt, auch eine Option.“ (Ich aber so im Kopf: „Zelten? 3 Kinder??? Aaaaaaaaaaaaaaaaah!“).

Da man aber Zeltplätze einfacher findet, als die perfekt gelegene Ferienwohnung, stellte sich diese Überlegung als durchaus sinnvoll dar. Ziel: Frankreich. Wo: da, wo schönes Wetter ist.

 

Einer von vielen wunderschönen Sonnenuntergänge am Strand von Biarritz

 

Durch die Tatsache, dass der deutsche Sommer bisher eher versteckt blieb – oder, wenn überhaupt, nur an Montagen, Dienstagen, Mittwochen oder Donnerstagen vereinzelt auftauchte (aber bloß zum Wochenende wieder mit dem Regen Job-Sharing betrieb), war die Sehnsucht nach echtem Sommer groß. Und ehrlich gesagt, auf Regen und Zelten in dieser speziellen Kombination, hatte ich jetzt auch nicht so große Lust.

Der erste Zeltplatz war schnell gefunden, da der Herzenmensch ihn kannte und wusste, dass es uns dort gefallen könnte. Aber, hey, es waren schließlich Sommerferien und somit auch nur noch 5 Nächte dort für uns und unser Zeltlager frei.
Da wir den Gedanken des Roadtrips durch Frankreich aber ganz gut fanden, machte uns das nichts aus und wir suchten nach weiteren schönen Orten. Ich sage Euch, von der Bretagne bis in die Pyrenäen, wir kennen sie alle! Zumindest digital samt Kontakt- und Anfrageformular.
Und auf der Suche nach dem ultimativen Zeltplatz konnten wir uns nicht entscheiden. Denn irgendwie dachten wir getreu dem Motto „Wenn wir schon Zelten müssen, dann muss die Lage wenigstens perfekt sein.“.

Nach vielen Absagen, weil es ja eben Sommerferien waren und sogar Zeltplätze dann knapp werden, fanden wir ihn, den vermeintlich perfekten Platz am Atlantik, nahe der spanischen Grenze.

 

Balazuc – ein zauberhaftes Örtchen an der Ardèche

 

Also, erst Ardèche, dann Biarritz und davor eine Nacht unterwegs irgendwo und auf der Rücktour auch eine Nacht. Machte zusammen etwa 15 Tage und der Urlaub stand.
„Die Zelte sind allerdings echt nicht so groß.“, da,ist ging’s dann weiter. Glücklicherweise hatte Aldi Süd ein Familienzelt im Angebot für einen fantastischen Preis. Gesagt, gekauft.
„Aber worauf sitzen wir denn und wie essen wir?“, und so ging es dann weiter.
Am Ende hatten wir also ein Familienzelt, eine richtige Elternmatratze, aufblasbare Isomatten für die Kinder, Schlafsäcke, Gaskocher (zweiflammig) und zwei Tische samt 4 Stühlen und zwei Hockern. Mit diesen Anschaffungen war dann auch klar, dass wir wohl noch mal Zelten gehen werden.
„Jetzt brauchen wir noch eine Dachbox!“, denn schließlich muss das alles ja noch transportiert werden.
Als diese dann auch noch besorgt war, konnte die Vorfreude auf den Urlaub endlich steigen.

Anfang August war es dann soweit. Unzählige Packlisten waren geschrieben, Kisten gepackt worden und auch wir waren startklar für unser Camping-Abenteuer.

 

Die Kirche von Chalon-sur-Saône

 

Als erste Station ging es nach Chalon-sur-Saône (Nahe Dijon). Über AirBnB hatten wir noch zwei Tage vor Abreise endlich etwas gefunden, was unserer Meinung gut passte für uns 5. Denn mit 5 Personen eine Nacht irgendwo zu buchen, ist nahezu unmöglich oder unverhältnismäßig teuer. So kamen wir nach wenig Stau und mit viel Vorfreude auf den Urlaub dort an. Unsere Herberge war skurril, aber funktional – dafür unser Gastgeber umso netter. Unser Abend dort, war allerdings auch skurril bis komisch. Wir, etwas müde von der Fahrt (es war dort auch sehr warm), hatten den Plan gemütlich durch die Stadt zu bummeln und ein Restaurant zu finden. Irgendwie hatten wir uns gedanklich nur nicht mit der Tatsache auseinander gesetzt, dass wir in Frankreich waren und gingen somit um 18:30 Uhr frohen Mutes los.

 

Die Saône mit Blick auf die „Liebesinsel“

 

Süßes Städtchen, etwas ausgestorben – und irgendwie hatte alles zu. Bis auf eine Bar an dem Marktplatz. Da die anderen Leute etwas zu essen auf dem Tisch hatten, dachten wir „Prima, hier bleiben wir!“. Von wegen, scheinbar war kurz vorher alles Essbare ausverkauft worden – denn wir bekamen nur noch die Getränkekarte und die Aussage „C’est fini!“. Aber da war doch noch dieses kleine Lokal an der Ecke, an dem wir vorbeigekommen sind. Doch auch da Fehlanzeige, diesmal mit der Aussage „C’est il es trop tot!“. Wir sollten in einer Stunde wiederkommen. Also, doch wieder in die Bar und etwas trinken. Und wirklich, als wir eine Stunde später in dem Restaurant Platz nahmen, taute die Stadt mit einem Mal auf. Alles öffnete sich, Tische wurden raus gestellt, Stühle gerückt – und sogar Menschen tauchten auf. Und nach einem vorzüglichen Abendessen (ich glaube, es hätte uns alles geschmeckt, weil wir riesigen Hunger hatten, aber das Essen war wirklich lecker!) und einem letzten Bummel am Fluss vorbei, fielen wir dann in unsere Betten.

 

Im Restaurant war unsere Tisch-Nr. "Die Deutschen" - und das, obwohl ich in bestem Schulfranzösisch gesprochen hatte...
Im Restaurant war unsere Tisch-Nr. „Die Deutschen“ – und das, obwohl ich in bestem Schulfranzösisch gesprochen hatte…

 

Am nächsten Morgen wiederholte sich die Komik dieser Stadt. Frühstück, es war 09:00 Uhr, musste es doch irgendwo geben. FEHLANZEIGE! Überall war es bereits „fini“ oder gab es das sowieso nicht. Aber einen Bäcker, den konnte man uns empfehlen (scheinbar den einzigen an einem Montagmorgen in dieser Stadt). Also aßen wir die leckersten Schoko-Croissants wieder am Marktplatz – und wieder war es de Bar, die uns dann noch für einen Café-au-lait beherbergte.

Nach einigen Staus auf dem weiteren Weg an die Ardèche kamen wir dann entgegen unserer typisch deutschen Zeitplanung viel später an. Aber das war uns diesmal ziemlich egal. Uns entschädigte schließlich eine Umgebung voll Ruhe, mit ganz viel Grün und unheimlich netten Gastgebern. Auch unser Zeltplatz lag gut auf diesem kleinen, niedlichen Campingplatz (ca. 60 Stellplätze) und so errichten wir dort unsere Ferienvilla.

 

Camper-Life mit schönem Blick
Camper-Life mit schönem Blick

 

Happy Birthday
Auch Geburtstag haben wir erfolgreich im Urlaub gefeiert.

 

An diesem Abend begann ein Aufenthalt, der entspannter nicht hätte sein können. Mit eigenem Flussstrand und einer Bar, an der man abends mit einem Traumblick noch ein französisches Bier trinken konnte, wurden alle Wünsche erfüllt. Die Kinder konnten eigenständig viele Dinge machen, erfreuten sich daran in Steinen zu wühlen und diese nach Edelsteinen zu untersuchen. Dort habe ich ein ganz anderes Frankreich entdeckt, zu dem Land, was ich bisher kannte. Eine rauere, aber auch grünere und irgendwie spannende Umgebung. Gelassenheit und felsige Dörfchen am Hang waren vor allen Dingen das, was ich dort entdeckte. Eine Wanderung und eine Kanu-Tour wurden dann auch gemacht. Und ansonsten gingen die Tage viel zu schnell herum mit faktischem Nichtstun. Sich nicht schick machen zu müssen, ist einer der Aspekte, die ich nun sehr zu schätzen weiß, in einem Familienurlaub. Morgens Zelt auf, Badesachen an, auf in den Tag. Langeweile gab es da einfach nicht. Und Abhängen ging immer. Auch das Kochen auf dem Campingkocher für 5 Personen klappte (ein dank an die zahlreichen Obst- und Gemüsehändler am Straßenrand) – und so fehlte es uns ehrlich an nichts. Mal abgesehen von der Tatsache, dass unsere super-comfort-Erwachsenen-Schlafmatratze bereits am ersten Tag den Geist aufgab – oder besser Luft verlor. Aber nach 4 Tagen fanden wir dann in einem XXL-Supermarkt ein ähnliches Modell, was uns ab dann super schlafen ließ. Es sind ja bekanntermaßen die kleinen Dinge, die uns erfreuen.

 

Unsere Villa samt Klo-Rolle
Unsere Villa samt Klo-Rolle

 

Kanu-Tour mit den Jungs
Kanu-Tour mit den Jungs

 

Pause bei der Kanu-Tour
Pause bei der Kanu-Tour

 

So eng zusammen zu schlafen ist auch mal etwas ganz Besonderes - vor allem für die Kinder.
So eng zusammen zu schlafen ist auch mal etwas ganz Besonderes – vor allem für die Kinder.

 

Am 7. Tag unseres Urlaubs ging die Tour dann weiter, einmal quer durchs Land bis an die Atlantikküste. Unser Ziel war Biarritz und ein 5-Sterne-Campingplatz, von dem wir uns viel versprachen, vor allen Dingen aber eine perfekte Lage. Da in Frankreich auch die Ferien angefangen hatten und die französischen Autobahnen ja eher geringer Anzahl sind, standen wir im Stau. Und zwar die gesamte Strecke, was die Fahrtzeit 4 Stunden länger machte. Irgendwie waren trotzdem alle gut drauf, erstaunlicherweise. Wir kamen aber wie beim ersten Zeltplatz zu spät an und mussten dann ja erneut die Villa aufbauen. Erster Eindruck des 5-Sterne-Camper-Paradieses: boah, ist das groß! Und: boah, ist hier viel los! Das nach dieser Idylle von Ruhe und Nicht-Überfüllung. Aber immerhin war unser Zeltplatz wieder schön gelegen (zumindest auf den ersten Eindruck, bis abends die riesige LED-Laterne DIREKT neben uns anging… Tschööö, Kerzen-Romantik). Auto ausgepackt, von lauter Live-Musik begleitet (Ja, hier ging die Party abends…) und dann hatten wir nur noch einen Gedanken: endlich was Essen! Zum Glück gab es auf dem Platz, neben der Live-Musik eine Art Restaurant. Wir bestellten schnelle Pizzen, nahmen auf Plastikstühlen Platz und ehrlich gesagt: wir wollten einfach nur weg! Nach dem entspannten und schönen Campingplatz an der Ardèche waren wir im kompletten Gegenteil angekommen. Das Leuchten der Laterne, als wir zu unserem Zeltplatz kamen unterstrich diesen Eindruck nur noch mehr. nur das nahe gelegene und traumhafte Meer gefiel uns sehr.  Da wir aber zum Glück zu k.o. waren, um viel nachzudenken beim Einschlafen, ging die Nacht schnell rum und am nächsten Morgen, ausgeruht und wieder fit, sah die Welt schon wieder anders aus. Ja, und der Campingplatz gar nicht mehr so schlimm. Dieser Zustand verbesserte sich ab da an Stunde um Stunde. Der eigene Zugang zum Strand war praktisch und toll, der Pool ein Kinderparadies und ohne Live-Musik auch der restliche Campingplatz gut zu ertragen. Vielleicht haben wir uns immer mehr angepasst oder es lag wirklich nur am ersten Eindruck, auch von dieser zweiten Urlaubswoche sagen wir im Nachhinein, dass sie perfekt war. Wie Moritz in seinem Ferienbericht am ersten Schultag schrieb: „Am Mer war es toll. Es ging immer Pul, Mer, Pul, Mer. Und Tischtennis.“. Das Leben war auch hier easy-peasy. Man trug immer wieder die gleichen Klamotten, nur zweimal für einen Ausflug nach Biarritz (fußläufig erreichbar) und St. Jean-de-Luz (sehr schön!!) machten wir uns „schick“. Oder besser gesagt: die Kinder trugen mal keine Crocs und Badesachen.

 

Biarritz - pittoresk und irgendwie lässig
Biarritz – pittoresk und irgendwie lässig

 

Wir hätten gerne mehr gesehen, mehr entdeckt. Aber am Ende war es ein perfekter Urlaub. Neben traumhaftem Wetter hatten wir ein so unkompliziertes und entspanntes Leben dort – und eines muss man den Franzosen ja lassen: egal, wo Du essen gehst, Du isst einfach hervorragend! Nach zwei Wochen Sand an den Füßen wollten wir eigentlich gar nicht nach Hause und hätten gerne verlängert. Nur die Übernachtung auf der Rücktour tauschten wir gegen eine Rückfahrt über Nacht und einen abendlichen Aufenthalt in Poitiers, wo wir schöne letzte Urlaubsstunden verbrachten.

 

Am Atlantik sieht es stündlich anders aus, mal ruhig und sanft, mal stürmisch und wild.
Am Atlantik sieht es stündlich anders aus, mal ruhig und sanft, mal stürmisch und wild.

 

Jeden Tag ein anderer Sonnenuntergang - jedes Mal wunderschön.
Jeden Tag ein anderer Sonnenuntergang – jedes Mal wunderschön.

 

Nachdem mir vorher jeder prophezeit hat, dass ich wiederkomme und nie wieder zelten möchte, konnte ich allen nur vom Gegenteil berichten. Klar, gibt es nicht jeden Comfort dabei und klar hatte ich am Ende, trotz großer Einschränkungen, doch wieder viel zu viele Klamotten mitgenommen. Aber ehrlich gesagt, würde ich solch einen Urlaub jederzeit wieder machen. Ich war selten so entspannt mit Kindern unterwegs. Und ich mag den Gedanken, dass man jederzeit einfach weiterreisen kann und sein Häuschen woanders aufbauen kann. Das hat etwas von Entdeckungstour. Ich mag die Einfachheit dabei, denn ehrlich gesagt, braucht man mit Kindern nicht mehr, als eine tolle Umgebung. Im Idealfall hat man ja tolles Wetter und hängt sowieso nur draussen ab. Hätte es nur geregnet, wäre meine Meinung sicher auch anders ausgefallen. Aber wir hatten ja Glück!

 

 

Folgt mir doch auch hier:

1 Kommentar

  1. Hi there, You’ve done a great job. I will certainly digg it and personally suggest to my friends. I am confident they’ll be benefited from this website.

Schreibe einen Kommentar