Ausgelesen – eine neue Blog-Reihe und jede Menge tolle Bücher!

Das Leuchten in mir von Grégoire Delacourt

Ich mag es sehr, zu schreiben. Und ich mag es sehr, zu lesen. Warum also diese beiden Dinge nicht miteinander kombinieren? Deswegen gibt es ab heute eine neue Kategorie hier auf meinem Blog: Ausgelesen. Hier werde ich immer mal, ohne regelmäßigen Rhythmus, sondern ganz nach Lust und Laune, von den Büchern berichten, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Denn kennt Ihr das, wenn man ein Buch liest und ganz in der Geschichte versinkt? Dann muss man doch danach darüber sprechen oder schreiben, finde ich. Zudem könnt Ihr hier vielleicht auch ab und an mal ein Buch entdecken, dessen Geschichte Ihr kennen lernen möchtet.

Lange Zeit habe ich nicht allzu viel gelesen, war immer zu müde, dachte mein Gehirn reicht nur für den TV und Schlafen. Dabei ist Lesen das Entspannenste, was man abends machen kann, finde ich. Oder auch tagsüber… ich nutze ja die tägliche S-Bahn-Fahrt – und starre nicht mehr wie gebannt auf mein kleines leuchtendes Smartphone. So viel besser, sag‘ ich Euch!

Jetzt aber zum Wesentlichen: den Büchern, die meine letzten Wochen begleitet haben! Neun davon möchte ich Euch heute kurz vorstellen.

Ausgelesen

„Graue Bienen“ von Andrej Kurkow

Ich habe tatsächlich etwas länger gebraucht, um in das Buch „hinein“ zu kommen. Lange hatte ich nichts mehr von Andrej Kurkow gelesen, der einen eigensinnigen Schreibstil und eine besondere, oftmals nüchterne, Erzählweise hat. Aber dann, so nach 50 Seiten, war ich drin, in der Geschichte der grauen Zone und einem Mann, der inmitten eines aktuellen Kriegs den Halt in seinen Bienenstöcken sucht und findet. Eine Geschichte, die berührt und dennoch nüchtern bleibt. Man empfindet große Sympathie mit dem Protagonisten und seinem eigentlich recht traurigen Leben – und muss hin und wieder schmunzeln über die banalen Gedanken, die Kurkow einem da so herrlich präsentiert und damit die Prioritäten im Leben auf eine realistische Ebene bringt.

Für jeden, der auch mal Geschichten abseits von Romantik und dem klassischen Bild von Glück mag, ein absolutes Muss! Mich hat dieses Buch berührt und geerdet.

Graue Bienen von Andrej Kurkow

„Unterleuten“ von Juli Zeh

Auch hier wieder ein Buch, mit dem ich warm werden musste. Tatsächlich auch mein erstes Buch von Juli Zeh – und vielleicht nicht der leichteste Einstieg in ihre Art zu schreiben. Dennoch schon mal vorweg genommen: ein absolut lesenswertes Buch! Denn auch hier war ich, allerdings sicher erst bei der Hälfte des Buches, drin in der Geschichte von Unterleuten, einem Dorf in Brandenburg. Juli Zeh wechselt die Blickrichtung auf die Geschehnisse im Dorf immer wieder und setzt den Fokus auf die unterschiedlichen Bewohner, jedoch aus der Erzählperspektive. Sicher auch einer der Punkte, der es einem am Anfang schwer macht, in das Buch einzutauchen und doch sicher das für mich wichtigste Merkmal des Romans darstellt.

Eigentlich passiert nicht viel und doch überschlagen sich die Ereignisse. So könnte man die Geschichte um den Bau von Windrädern in Unterleuten auf knappste Weise zusammenfassen. Das interessante an diesem Dorf-Konstrukt von Unterleuten: es lässt sich auf so viele Gruppierungen im Leben gedanklich anwenden und beschreibt Entwicklungen, die man tagtäglich so oder ähnlich wahrnimmt.

Für mich steht fest: von Juli Zeh werde ich noch mehr lesen. Manchmal können Bücher ja auch mit einer kleinen Hass-Liebe anfangen, um richtig gut zu sein.

Unterleuten von Juli Zeh Rezension

Laufen von Isabel Bogdan

Bei diesem Buch hörte ich zuhause zahlreiche Kommentare, denn schließlich passte der Titel gut zu mir und meiner aktuellen Lauflust. Aber so einfach ist das nicht. Denn das Laufen ist hier der Kern des Buches und letztlich aber nur ein Ventil. Ich bin lange nicht mehr so schnell in eine Geschichte hineingezogen worden, wie in diese, was eindeutig an der Ich-Erzähler-Perspektive liegt, die ausschließlich Gedanken der Protagonisten wiedergibt.

Mit den ersten Worten, den ersten Seiten und dem ersten Verstehen der Ist-Situation der jungen Frau, in deren Gedanken man in diesem Buch liest, wird man emotional mitgerissen und spürt selbst das Atmen, bei jedem hart erlaufenen Kilometer. Ein Verlust und ein Ventil, dass es ihr möglich macht, sich zu ordnen und wieder zurück in Leben zu kommen. Eins dieser Bücher, das man nicht vergisst! Und absolut nicht nur ein Buch für Läufer.

Laufen von Isabel Bogdan Rezension

„Das Leuchten in mir“ von Grégroire Delacourt

Puh. Ein Buch, das brutaler, emotionaler und leidenschaftlicher nicht sein könnte. Ich habe es tatsächlich verschlungen!

Eine Frau, die in scheinbar glücklicher Ehe und mit eigentlich erfüllender Rolle als Mutter lebt, erblickt in einer Brasserie einen Mann, dessen Anblick und Gestik sie so sehr berührt, dass sie ihr ganzes Leben in Frage stellt. Sie beschließt, nachdem sie mit diesem Mann immer wieder durch Blicke, dezente Gespräche und einen Kuss eine Verbindung aufgebaut hat, ihr ganzes Leben zu verlassen und gemeinsam mit ihm neu anzufangen. Aber dann kommt alles etwas anders und es gibt kaum mehr einen Weg zurück.

Ein Buch für jeden, der sich auch nicht scheut mal etwas deutlicher Worte über Leidenschaft und Sex zu lesen. Absolute Empfehlung von mir!

Das Leuchten in mir von Grégoire Delacourt

„All das zu verlieren“ von Leila Slimani

Scheinbar habe ich in letzte Zeit einen Hang zu schweren Büchern gehabt, denn dieses ist wundervoll, aber genauso schwer verdaulich. Es geht um eine Ehe, eine unbändige Lust auf unbedeutenden Sex mit Fremden, eine emotionslose Kindheit, die es gilt aufzuarbeiten und den Schmerz des Verlustes, und zwar des selbstverschuldeten und provozierten Verlustes eines ganzen Lebens, fast so, als käme es Selbstverletzung gleich.

Leila Slimani schildert die Geschichte von Adèle mit einer nüchternen Präzision, die gleichzeitig so berührend, wie abstoßend ist. Kein Buch, was man einfach so beiseite legt, sondern eins, das einen durchschüttelt. Ich habe mich in einige Gedanken der Protagonistin so gut hineinversetzen können und bei so vielen habe ich einen absoluten Ekel empfunden.

Ein Roman, den man wirklich lesen sollte!

 

„Meine geniale Freundin“ von Elena Ferrante

Die Geschichte um zwei sehr unterschiedlich Mädchen, die im Neapel der Nachkriegszeit groß werden, ist nicht vom ersten Moment an eine, die sich einfach darbietet. Auch hier brauchte ich eine Zeit, um in die Geschichte einzutauchen und im Buch anzukommen. Elena Ferrante erzählt die Geschichte von den Freundinnen Lila und Elena auf eine kunstvoll verwobene und doch manchmal brutal nüchterne Art und Weise. Hürden aufgrund unterschiedlicher Möglichkeiten übersteht die Freundschaft der beiden heranwachsenden Mädchen manchmal nur sehr knapp, vieles ist geprägt von starkem Willen und rationalen Entscheidungen. Ein Leben in einem neapolitanischen Hinterhof, oft rau, oft zweckmäßig und doch mit den Empfindungen zweier sich entwickelten Mädchen.

Dieses Buch ist der erste Band einer Reihe von Elena Ferrante und ich werde in jedem Fall weiterlesen!

Buch Blog Rezension

„Bella Germania“ von Daniel Speck

Diese Buch ist sicher das leichteste, der von mir heute für Euch vorgestellten Bücher. Und ja, diese Geschichte hat schon viel Happy-End und klassische, romantische Erzählweise an sich, aber dennoch mochte ich es auch sehr. Ein Buch für den Urlaub, das einen mitnimmt auf die Reise einer jungen Frau, die plötzlich ihre Herkunft aufschlüsseln kann und in ihr ihren Lebensweg ganz anders begründen und neu aufbauen kann. Ein Roman, der es leicht macht, sich in die Protagonisten hineinzuversetzen und bei dem man schnell wissen möchte, wie es weitergeht. Am Ende des Buches war ich herrlich zufrieden und etwas traurig, dass es schon vorbei war.

Buch Blog Rezension

„Das Leben ist eins der Härtesten“ von Giulia Becker

Hach ja, dieses Buch ist so herrlich komisch und doch sehr ehrlich realistisch, wie auch tragisch zugleich. Vier Geschichten von vier Personen, die einen Hang zum Missgeschick haben und selten den Hauptgewinn des Lebens ergattern. Diese vier Geschichten verbinden sich nach und nach – und führen zu einem gemeinsamen Abenteuer, was mit so viel Witz erzählt wird und dabei unfreiwillig komisch ist. Giulia Becker schafft es, trotz vielen skurrilen Momenten, eine aktuelle, ungeschönte Geschichte sehr unterhaltsam zu verpacken. Ich mochte das Buch sehr und kann es nur empfehlen!

„Was ich Euch nicht erzähle“ von Celeste Ng

Das Debüt von Celeste Ng habe ich sehr zufällig entdeckt und ich bin wirklich froh darüber. Ein Roman über die Geschichte einer Familie, der Ähnlichkeiten zu einem Krimi hat.

Ein Mädchen verschwindet und wird tot in einem See gefunden. Ein unvorhersehbares Ereignis, das ungeklärt zwischen Selbstmord und Mord schwingt. Ein Ereignis, das eine Familie, die aus verschiedenen Kulturen zusammengesetzt ist, in der Vergangenheit suchen und graben lässt. Ein Ereignis, das von einem Kind, das bis zu diesem Ereignis einfach funktionierte, angestoßen wird, ob unfreiwillig oder bewusst, und das plötzlich einen roten Faden durch die Familie Spinnt. Beim Lesen taucht man immer weiter ein in das komplexe Familienkonstrukt, man fühlt die plötzliche Erkenntnis der einzelnen Erzählperspektive, spürt den Verlust und die brutale Wahrheit, die er hervor bringt.

Eine absolute Überraschung war diese Spontan-Entdeckung – und eine absolute Empfehlung von mir für Euch!

Übrigens wird Euch schon aufgefallen sein, dass dieser Beitrag keine Links zu Online-Plattformen enthält – und das ganz bewusst! Ich kaufe meine Bücher nur noch im Fachhandel und denke nach jedem Besuch, und netten Gespräch über tolle Bücher, dass diese feinen, kleinen Buchläden niemals aussterben dürfen! Und als Tipp: jeder Buchladen bestellt Euch jedes Buch meist innerhalb von 24 Stunden. Schneller geht’s kaum!

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3 Kommentare

  1. Danke! Da sind tolle Sachen dabei!

  2. Manuela Fuhs sagt: Antworten

    Vielen Dank! Interessante Tipps, die in meine Weihnachtsgeschichte eintauchen werden.

    1. wp.priseliebe.adm sagt: Antworten

      Das freut mich!

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