Loslassen und so weiter.

Ich bin keine Gluckenmutter, jedenfalls keine richtige. Und doch hab‘ ich es gerne, zu wissen, wo meine Kinder sind und was sie gerade machen.

Der Große darf natürlich bestimmte Dinge auch schon ganz alleine machen und dabei ist mir besonders wichtig, dass ich mich auf ihn verlassen kann und das funktioniert. Der Schulweg wird alleine bestritten und auch das Fußballdate im Park muss nicht mehr von mir begleitet werden.

Tja, und dann ging es für 5 Tage auf Klassenfahrt. Mit 7 Jahren und in der zweiten Klasse. „Puh…!“, dachte ich mir. „Toll!“, sagte ich. Denn schließlich sollte sich Moritz voll und ganz freuen – und das tat er.

Tag X rückte näher, die Tasche wurde systematisch gepackt und besprochen. Und Moritz und ich stellten die Regel auf, dass es zumindest einmal pro Tag eine frische Unterhose sein musste, sonst sollte mir mal alles egal sein.

Der Abend vor der Abfahrt war schlimm, denn plötzlich bekam er Panik. Er hatte Angst, nicht schlafen zu können und dass es ihm zu lang würde und er das mit dem Anziehen, Tasche packen, Bett beziehen nicht hin bekäme. Viel Kuscheln und gutes Zureden half und so ging er nach einer Nacht drüber schlafen völlig freudig am nächsten Morgen zum Treffpunkt.

Die Abfahrt verzögerte sich dank Südstadt, zu eng geparkter Autos und einem etwas zu mutigen Busfahrer. Aber dann ging es los. Alle stiegen ein und der Bus fuhr los. Da Paula in Tränen ausbrach, darüber, dass ihr heißgeliebter (war mir ehrlich gesagt neu…!?) Bruder jetzt weg ist, blieb ich stark und tapfer. Dass es mir nichts ausgemacht hätte, wäre aber gelogen.

Ja, und dann? 5 Tage sollten wir keinen Kontakt haben, natürlich außer dem Fall, wenn etwas passieren würde. Aber das hoffte ja niemand.

„Heute nachmittag hängt ein Zettel an der Tür der Schule, dann sehen sie, dass wir gut angekommen sind!“ sagte das junge und etwas unbedarfte Lehrerteam (an dieser Stelle sei kurz erwähnt, dass ich es grandios finde, dass diese engagierten Lehrer das überhaupt machen, 5 Tage mit noch sehr jungen Kindern – Hut ab!).

Ich ging also mittags zur Schule. Aber nichts hing, kein Zettel, keine Notiz. Ok, sie hatten nachmittags gesagt, aber hätte ja sein können, außerdem ist die Schule um die Ecke und ich hatte schließlich frei.

Zwei Stunden später dann das:

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Ich war beruhigt. (Zur Info: die Klassen der Schule haben alle Tiernamen)

Und ja, dann begannen 5 lange Tage. 5 Tage ohne Kontakt, 5 Tage mit traurigem zweiten Kind (hätte ich nie gedacht) und 5 Tage, die ich meinen Großen so sehr vermisst habe, wie noch nie zuvor.

Freitagmittag. Endlich war es soweit: Ankunft der Kinder. Aufgeregte Eltern versammelten sich zwei Stunden später als geplant – der Busfahrer wollte seinen Start der Reise schließlich wiederholen und verfranzte sich im Sauerland – und warteten sehnsüchtig auf den Bus.

Irgendwie war es fast ulkig, wie alle dort dem Moment des Wiedersehens entgegen fieberten.

Ja, und dann kam Moritz.

Müde, lächelnd, etwas zu cool, aber glücklich nach Hause.

Und das Beste: die Reisetasche war vollständig und alle Unterhosen getragen! Was wollte ich mehr? Nach einer halben Stunde kuscheln und den spannendsten Geschichten der Klassenfahrt, war allerdings klar, mein kleiner Großer war völlig übermüdet. Also schlief er von jetzt auf gleich ein und holte 3 Stunden schlaf „nach“.

Sein Lieblingsessen (Burger und Pommes – selbstgemacht) vorbereitend freute ich mich auf den Moment, wenn er wach sein und weiter berichten würde, was er so erlebt hat.

Tja, und dann wurde er wach…  schlecht gelaunt (ok, bin ich auch nach einem Schläfchen am Tag) und mit leicht pubertierenden Zügen hatte er noch nicht mal Hunger! Was war denn mit meinem Sohn los? Es gibt Pommes und Burger – und er hat keinen Hunger? Kann gar nicht sein. Aber nach etwas Rumgemaule platzte es aus ihm heraus, Tränen, angestaute Wut, Überforderung. Nicht, dass er keinen Spass gehabt hätte, ganz im Gegenteil, es war klasse! Aber 5 Tage in einer Gruppe, in der man einfach mal nicht wie zuhause auch im Zimmer hängen und Lego spielen kann, sind einfach anstrengend. Als Jüngster der Klasse will man dann ja gerne auch immer mit allen mithalten, sowas schlaucht auf Dauer.

Zwei Stunden später war dann aber alles wieder gut. Moritz hatte alles raus gelassen und war irgendwie wieder angekommen Zuhause.

Ach ja, und das erste EM-Spiel fing ja schließlich auch an!

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