Mutti hat ein Date. Teil 2.

„Mutti hat ein Date“. Teil 2. Weiter geht’s also und es darf wieder gelacht werden!

Dieser Post erscheint parallel und auf Englisch (danke, Pauline, für die gute Korrektur!) auf dem tollen Blog von Doris&Pauline mycutiepie. Ich freue mich riesig, dort als Gastautorin zu erscheinen!

Den ersten Teil hierzu findet Ihr hier.

selfie, ballon, spiegelselfie, me
Das Gute bei Dating-Apps wie Tinder ist ja, dass man meist mehrere Eisen im Feuer hat. So war das zumindest in meinen beiden Testphasen der Fall. Das kann auch durchaus ziemlich anstrengend sein (denn solche Kontakte mögen gepflegt werden, ähnlich einem Tamagotchi -> wer kennt es noch?), aber nach einem ersten Date-Reinfall auch von großem Vorteil.

So versuchte ich also den Joker unter den Nieten auszumachen. Wühlte mich durch Nachrichten von pseudo-poetisch über melancholisch-philosophisch bis hin zur Ulknudeligen-Nonsens-Konversation. Bingo! Da war das nächste Date!

Die Nachrichten waren nicht sehr inhaltsgeladen, dafür meist nett. Zumindest kam dieser ER dann mal schnell zu Potte und wollte sich kurzfristig zum Mittagessen treffen. Hier sei kurz erwähnt, dass es auch in der Männerwelt viele Exemplare zu geben scheint, die erst wochenlang per Whats-App kommunizieren, dann telefonieren und sich am Ende dann doch nicht treffen wollen. Aber das ist wieder ein anderes Thema.

Wir trafen uns also zum Mittagessen, was mir sehr sympathisch war. Denn erstens: es ist taghell, daher weniger unheimlich. Und zweitens: die zeitliche Begrenzung ist besser festzulegen.

Mittagessen also. Unkompliziert. Ich kam zum Treffpunkt, er war schon da – da der ER mir vorher zahlreiche Fotos hatte zukommen lassen (später verstand ich auch besser warum) , konnte ich ihn tatsächlich erkennen. Erster Bonuspunkt: die Foto-Realität gleichte der wahren Realität doch ziemlich. Eine Ampel mit sehr langer Rotphase trennte mich von dem „Hallo, Du bist dann wohl…?“. Eine ziemlich lange Zeit stand ich da also betont lässig und wurde begafft. Gut, erster Minuspunkt. Zack. Dann endlich grünes Licht, so dass ich mich aus dieser Anschauungsobjekt-Position hinausbewegen konnte. Nach einem „Hallo“ und obligatorischen Küsschen-links-Küsschen-rechts-Gedöns setzten wir uns und das Date konnte starten. Ein weiterer Pluspunkt: der ER roch gut.

Im Grunde war es echt ein nettes Mittagessen. Wir hatten sogar Spaß. Und lachen konnte ich wirklich zwei bis dreimal herzhaft. Alles Andere blieb flach. Und er schien bei allem irgendwie weitaus unsicherer, als sein Äußeres zunächst widerspiegelte. Dennoch wollten wir eine Wiederholung planen. Also erstmal „Tschüss“. Küsschen-links-Küsschen-rechts. Fertig.

Dann, keine Stunde später, als ich gerade auf dem Weg zum Kindergarten war, flatterte eine Whats-App-Nachricht rein. „Hmmm, Du hast tolle Beine!“

Häää?

Also, schön und gut, Komplimente hört man ja gern. Aber irgendwie gefiel mir dieses plumpe Direkte nicht, zumal wir uns eher wie Kumpels unterhalten hatten.

Dann: „Hätte Dich gerne geküsst.“

Häääääääää?

Ok. Moment. Stopp. Unsere Konversation reichte von „Ach, kennste den Comedytyp, der wohnt ja auch hier um die Ecke?“ bis hin zu „Ja, da gehe ich auch gerne essen.“, aber von ansatzweisem Flirten oder Ähnlichem war da keine Spur gewesen. Eher war es unterhaltsam und witzig (auf stupide Art und Weise). Und eher musste ich ab diesem Zeitpunkt sagen „Neee, Du, war ganz nett, aber mehr nicht, klaro?“. Zumindest dachte ich mir das und versuchte es auf meine manchmal zu höfliche und durch die Blume sprechende Art und Weise auch dem ER klar zu machen.

So plätscherte über mehrere Tage eine etwas sinnlose Konversation hin. Aber, irgendwie schaffte er es tatsächlich, dass wir uns noch mal verabredeten. Wieder zum Mittagessen. Also wieder harmlos. Und wieder war es mir sehr recht so.

Beim zweiten Treffen verwandelte sich sein BWLer-Job dann doch eher zum Vollzeit-Fotomodel. Und verheiratet war er auch schon mal. Ganz ehrlich, Leute, bis heute bin ich mir nahezu 100% sicher, dass er auch immer noch verheiratet war, als wir uns dateten. Denn: wir haben uns immer nur zum Mittagessen getroffen! Und: abends ebbte die „Konversation“ per Whats App schlagartig ab. Da ich mir aber zu 100% sicher war, dass das nicht der Mann für mein Leben ist, war es mir fast wurscht und ich genoss lediglich eine weitere Verabredung, die sicher wieder ganz unterhaltsam würde.

Wie beim ersten Treffen hatten wir einfach Spaß, es war lustig – und wieder blieb es flach. Und wieder folgten auf das Treffen zahlreiche Nachrichten mit zahlreichen Komplimenten. Ok, soweit blieb‘ der ER sich zumindest treu.

Dann kamen zwei Abende an denen ich mit Freunden unterwegs war. Da unsere Konversation weiterhin mit den Inhalten wie „Na, wie gehts?“ oder „Alles fit?“ dahin plätscherte, fragte er mich also auch, was ich so geplant hätte. Fazit: vielleicht wollten wir uns dann mal spontan treffen? Um es kurz zu machen: dazu kam es nie. Und da stelle ich mir die Frage, was möchte ein Mann, der sich ein paar Mal mit einer Frau trifft, ihr im Anschluss einen Haufen Komplimente macht, eine dauerhafte (wenn auch sinnfreie) Konversation aufrecht hält und am Ende einfach nie nichts und zwar gar nichts passiert? Denn diese Situationen, dass ich ein Treffen mal zur Abwechslung am Abend forcieren wollte, gab es noch häufiger. Denn, auch wenn nicht der Mann fürs Leben, vielleicht einer mit dem man Spaß haben kann. Die Theorie mit der vorhandenen Ehefrau bleibt also weiter aktuell, aber was hat dieser spezielle ER dann bitte gesucht?

Nach also weiterem Dahingeplätscher, weiteren plumpen, plötzlichen Kompliment-Attacken und einem Kuss-Versuch beendete ich das, was nie angefangen hatte.

Seine Reaktion: völliges Unverständnis.

Meine Reaktion daraufhin: ebenfalls völliges Unverständnis – über einen Mann, der modelmäßig und ganz gut aussieht, aber so langweilig ist wie ein Plattfisch.

Einige Monate später trudelte dann eine Nachricht ein:

„Na, wie gehts?“ (Ja, einfallsreicher wurde es nicht)

Ich dann: „Hey, lange nichts mehr gehört. Gut, und Dir?“

Er: „Und, bist Du glücklich?“

Ich: „Ja, gerade sehr.“

Er: „Also vergeben?“

Ich: „Ja.“

Er: „Bist Du treu?“

Ich: „Klar, was für eine Frage!“

Er: „Schade, ich wäre auch auf der Suche nach was Festem gewesen.“

Und dann musste ich einfach nur lachen.
-Fortsetzung folgt-

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