Zu Gast: Der Weg zum ersten Halbmarathon.

Halbmarathon

Heute geht’s weiter bei „Zu Gast bei Undeinepriseliebe“!

Melli von Ostfriesenmädchen (zu ihrem Blog geht es hier lang) schreibt über ihren Weg zum Halbmarathon – und das finde ich nicht nur interessant, sondern auch extrem bewundernswert. Ich als Jo-Jo-Läuferin, also mal 15km Brückenlauf, mal 1km hechelnd am Rhein, kann mir es gerade gar nicht vorstellen, je diese Kondition zu erreichen. Also noch mal hier, liebste Melli: Hut ab! Und jetzt zu ihrem Gast-Autoren-Beitrag:

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Hallo und ein liebes Dankeschön, an Dich liebe Sarah, das ich auf deinem Blog etwas über meinen ersten Halbmarathon schreiben darf.

Hätte mir jemand vor 2 Jahren gesagt, dass ich mal in meinem Leben einen Halbmarathon laufen werde, diese Person hätte ich für verrückt erklärt. Ich habe Joggen bis vor 2 Jahren regelrecht gehasst. Mein Mann musste mich quasi regelrecht überreden und wenn ich dann mitgelaufen bin, hat es mir noch nicht mal Freude bereitet. Ganz im Gegenteil, in mir machte sich regelrecht Frust breit. Es lag daran das ich das Lauftempo von meinem Mann nicht mithalten konnte und das mir die Strecke die mein Mann zurück legte einfach zu lang war. Dieses Gefühl wollte ich nicht auf mir sitzen lassen, also fing ich an alleine für mich in meinem Tempo zu laufen. Zugegeben am Anfang war es alles andere als schnell oder weit. Je öfters ich die Laufschuhe schnürte umso besser lief es und ich fand immer mehr Gefallen an der Sache.

Im Juni 2015 bin ich das erste Mal bei einer Laufveranstaltung über 5 Kilometer mit Zeitmessung an den Start gegangen. Die Premiere lief überraschend gut, ich belegte in meiner Altersklasse  den 9. Platz mit einer Zeit von 27Min:28. (für andere nichts Besonderes, für mich auf der Distanz persönliche Bestzeit.)

Im November 2015 kam mir dann die „Schnapsidee“ nächstes Jahr einen Halbmarathon zu laufen. An dieser Stelle möchte ich erwähnen, das ich bis dato nie mehr als 10Kilometer am Stück gelaufen bin. Mein Vorhaben einen Halbmarathon zu laufen habe ich auch nicht für mich behalten. Ich brauchte diesen Druck um meinem Schweinehund selbst in den Allerwertesten zu treten. Im Sommer dieses Jahres fragte mich mein Mann wie es um meine Pläne stehen würde, bei einem Halbmarathon zu laufen?! Zu dem Zeitpunkt hatte ich mir schon längst den HM am 02. Oktober in Bremen ausgeschaut. Scheute aber noch die Anmeldung. 21,097 Kilometer läuft man ja nicht eben so. Was wenn ich nicht ins Ziel komme? Jedem dem ich von meinem Vorhaben und meinen Bedenken erzählte, stärkte mich immer mehr mein Vorhaben durchzuziehen und mich für den Halbmarathon anzumelden. Am 18.07. habe ich es dann getan, ich habe mich tatsächlich für den Halbmarathon am 02.Oktober 2016 in Bremen angemeldet. Genau 76 Tage blieben mir noch um mich bestmöglich auf den HM vorzubereiten.

Mit Hilfe der App „my Asics – Lauftraining“ (im App Store kostenlos) habe ich mir einen Trainingsplan erstellt, an den ich mich so gut es ging gehalten habe. Ich bin 3-6 Mal  die Woche zwischen 5 und 18Kilometer je nach Plan in verschiedenen Tempo gelaufen. Die Vorbereitungszeit verging wie im Flug. Tag X kam immer näher. Mein Mann und ich haben uns den Samstag vor dem Lauf schon auf den Weg nach Bremen gemacht. Im Rahmen der Akkreditierung habe ich Samstagmittag meine Startunterlagen abgeholt. Die ganze Prozedere verlief schnell und unkompliziert. Den Nachmittag verbrachten wir ganz entspannt in Bremen bevor es am Abend in die ÖVB Arena ging, da fand im Rahmen des 12. SWB Marathon die „Pasta Party“ statt. Im Hotel legte ich mir dann noch meine Laufklamotten für den nächsten Tag zurecht. Ich ging recht früh an dem Abend schlafen.

Sonntag, 02. Oktober – 6:30Uhr klingelte der Wecker. Nach vielen Trainingskilometern war nun endlich der Tag gekommen, an dem ich 21,097Kilometer durch Bremen laufen werde. Um 8 Uhr ging es zum Frühstück. In unserem Hotel waren noch mehr Läufer die in Laufklamotten schon beim Frühstück saßen. So langsam stieg die Nervosität. Mein Frühstück bestand auf Toast mit Honig, Kaffee und viel Wasser. (Toast und Honig sind beides Lebensmittel die „schnelle“ Kohlenhydrate enthalten. Sprich die schnell ins Blut gehen und die Kohlenhydratspeicher auffüllen. Und genau dieses Auffüllen ist Sinn und Zweck. ) Nach dem Frühstück wollte ich mich eigentlich noch etwas hinlegen und mich ausruhen. Aber ich war zu nervös, also packte ich meine Sachen zusammen und wir machten uns auf den Weg Richtung Innenstadt. Um 9:30Uhr gingen die Marathon Läufer auf die Strecke. Die Stimmung war hervorragend. Das steigerte meine Vorfreude umso mehr. Je länger ich mich im Startbereich aufhielt, umso entspannter würde ich. Die Atmosphäre war jetzt schon einmalig.

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Gegen 11:30Uhr ging es für mich und die anderen Läufer des Halbmarathons in den Startblock.  Jetzt stieg in mir die Nervosität, gemischt mit einer großen Portion Vorfreude. Die eine oder andere Laola-Welle wurde vor dem Start über die Startblöcke geschickt bevor pünktlich um 11:40Uhr der Startschuss für die 21,097 Kilometer erfolgte und sich der erste Startblock auf den Weg machte. Gut 4 Minuten nach dem Start ging es für Block B in dem ich mich befand auf die Strecke. Mit den ersten Metern fiel meine Anspannung. Die ersten Kilometer liefen hervorragend. Die Stimmung entlang der Strecke war grandios. Bei Kilometer 10 habe ich das erste Mal auf meine Polar Uhr geschaut und ich war selbst überrascht von der guten Zeit in der ich unterwegs war. Ich konnte mein Tempo recht konstant halten. Die Kilometer 15-17 von der Schlachte den Osterdeich entlang würden wir Läufer noch mal tatkräftig von den Zuschauern unterstützt. Es wurde gejubelt, geklatscht, Kinder streckten ihre Hände zum abklatschen aus. Andere hielten Plakate mit Motivationssprüchen hoch.

Kilometer 18 führte uns Läufer direkt durch das Weserstadion, abklatschen inkl. persönlicher Anfeuerung von Stadionsprecher Stolli inklusive. (für mich als Werder Fan natürlich das absolute Highlight und noch mal eine tolle Motivation für die letzten Kilometern.) Diese extra Portion Motivation konnte ich auch gebrauchen, denn so langsam fingen meine Beine an schwer zu werden. In dem Moment dachte ich an die vielen Trainingsläufe, ich wusste dass ich mental stark genug war für die 21,097 Kilometer.

Gepuscht von den Zuschauern als ich in die Bremer Innenstadt einbog, das Ziel am Roland schon in Sichtweite konnte ich mein Tempo noch mal anziehen. Zwei Schrittlängen vor mir liefen zwei männliche Läufer die ich unbedingt noch packen wollte. Beflügelt von den Zuschauern und dem Adrenalin in meinem Körper konnte ich die beiden Läufer vor dem Ziel sogar noch überholen.

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Finish! 21,097 Kilometer – was für ein unbeschreibliches Gefühl.  Im Ziel angekommen konnte ich es im erste Moment gar nicht glauben und musste erst mal klarkommen. Realisiert habe ich es erst als eine junge Frau auf mich zu kam um mir meiner Finisher Medaille um den Hals zu hängen. Ich war so unfassbar stolz auf mich, konnte es aber irgendwie immer noch nicht so richtig glauben.

Als mein Mann mich etwas später im Zielbereich stolz in Empfang nahm, kam es über mich. Glück, Stolz, Erschöpfung  – es kam alles zusammen, das sogar ein paar Tränchen kullerten.

02:00:32h – meine offizielle Zeit für meinen ersten Halbmarathon. 7 Minuten schneller im Training.

Dieses unbeschreibliche Gefühl beim Überqueren der Ziellinie kann ich nicht in Worte fassen. Das muss man erlebt haben. Der Stolz beim Anblick meiner Medaille, die einen Ehrenplatz mit meiner Urkunde daheim bekommen hat wird mich auch noch in ein paar Jahren an meinen ersten Halbmarathon erinnern.

Vom Ehrgeiz gepackt habe ich mich sogar noch am selben Abend für den Berlin Halbmarathon im April 2017 und dem Halbmarathon im Oktober 2017 angemeldet. Mein Ziel für den nächsten Halbmarathon in Berlin wird es dann sein unter 2 Stunden zu bleiben.

Und wer weiß, vielleicht schaffe ich vor meinem 35. Geburtstag sogar noch einen Marathon.  😉

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