Zu Gast: Mein ganz persönlicher Kampf mit dem Dunklen in mir.

Heute am zweiten Advent freue ich mich, für Euch einen Gastpost von der lieben Meike @misses_lebensmut zu haben – es ist vielleicht nicht das Bilderbuchthema, was man normalerweise in der Weihnachtszeit erwartet, aber es ist ein Thema, vor dem man nicht die Augen verschließen darf. Ein Thema, was leider viel zu viel Tabu ist und ich verstehe nicht, warum. Die Depression.

Danke, Meike für Deinen ungeschönten und trotzdem wundervollen Beitrag!



Man könnte meinen ich wäre eine ganz normale glückliche junge Frau.

Ich liebe es mich von Mode inspirieren zu lassen, gehe gerne mit Freunden in die schönsten Cafés Köln und Kinder bringen mich auf Wolke 7. Doch neben diesem Teil von meinem Leben gibt’s auch ein ganz Schwarzen, der mir oft die Sicht auf das Schöne im Leben versperrt.

Seit 11 Jahren bin ich psychisch Krank. Mehrere Diagnosen stehen auf dem Blatt Papier, aber alle gehören zu einem ganz grossen Ungeheuer. Den DEPRESSIONEN. Davon möchte ich heute ein wenig erzählen.

In meinen Augen wird das Wort Depression noch viel zu sehr verallgemeinert. Jeder ist ein Individuum und somit ist bei jedem auch die Depression eine andere. Ich glaube auch, bei mir denken sich viele „wie kann die denn Depression haben, sie sieht doch immer gepflegt aus und lacht wie ein Honigkuchenpferd?“.

Seit 11 Jahren sitzt meine Maske perfekt. Sobald ich die Wohnung verlasse, wird gelacht, anderen Gutes getan und lasse ich mir nichts anmerken. Meine Depression bedeutet auch nicht, dass ich immer schlechte Laune habe. Ich bin auch oft ziemlich überdreht oder habe einen totalen Bewegungsdrang. Oftmals renne ich vor meinen Gefühlen weg. Immer schneller und schneller, dass die Dämonen in mir, mich nicht einfangen können.

Ich habe oft von einem auf den anderen Moment keine Kraft mehr und verharre in der Gefühlsleere oder versinke im Gefühlschaos. Ich sehe keine Träume mehr und spüre keine Hoffnung. Fühle mich in mir allein und fremd. Frage mich, wofür und wozu ich noch lebe.

Dass alles geschieht in Wellen. Mal ist die schwarze Flut mit Suizid-Gedanken da und dann kommen kurz mal wieder ein paar schöne Momente, die von mir versucht werden fest zu umklammern.

Depression ist eine Stoffwechsel Erkrankung im Gehirn und ich stelle es mir oft so vor als würden plötzlich ganz unerwartet alle Lampen ausgehen. Stockduster – und die Zellen bekommen Panik. Ich sitze dann auf meinem Bett, ziehe die Beine an meinem Körper, weine und versuche nach Luft zu schnappen. Diese heftigen Wellen können manchmal ganz kurz sein, aber manchmal auch Tage und Monate andauern. Sie rauben mir Schlaf, all meine Kraft und meine Lebensfreude. Ich bekomme Angst vor meinen Gedanken und Gefühlen. Schlage meinen Kopf immer fester gegen die Wand, dass es doch endlich aufhört. Aber aus jeder schwarzen Welle lerne ich mich auch ein Stück weiter kennen, erkenne Grenzen und was mir gut tut und was eben nicht.

6 Klinik Aufenthalte habe ich bereits hinter mir und lerne jedes Mal meine Erkrankungen immer mehr kennen. Ich versuche, sie zu akzeptieren. Aber es gibt Tage, da ist es so laut in mir und meine Seele schmerzt so stark, dass ich einen Gegenreiz brauche. Oft ist es die Rasierklinge. Feste schneiden, dass der Schmerz kurz woanders hinprodzuiert wird. Sobald ich wieder klar denke, bin ich wütend auf mich, warum ich das getan habe. Durch die Klinikaufenthalte lerne ich mit Situationen anders umzugehen und gute Gegenreize für mich zu entdecken, wie zum Beispiel einen Kühl-Akku auf den Arm legen oder in eine Zitrone beißen.

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Das „A und O“ ist über Gefühle zu reden, was mir oft sehr schwer fällt. Schreiben kann ich es mir gut von der Seele, aber bei einem Gegenüber versuche ich immer noch häufig, mir nichts anmerken zu lassen. Ich habe immer Angst, Jemanden zu belasten. Das Schwierigste war für mich, mir selbst einzugestehen, dass ich krank bin. Es hatte anfangs viel mit Scham zu tun und ich erlaubte mir keine Hilfe. Ich sagte mir immer anderen geht’s doch noch schlechter. Jetzt stehe ich dazu, dass ich ein Psychologin habe und auch Medikamente einnehmen muss. Es ist eine Krankheit, wie auch Diabetes. Und so wie herzkranke Menschen Medikamente einnehmen müssen, muss auch ich das eben. Ich möchte, dass psychische Erkrankungen kein Tabu-Thema mehr sind. Ich möchte offener damit umgehen, um mir und anderen mehr Mut zu machen, sich Hilfe zu holen. Ich möchte, dass mehr überlegt wird bevor man spricht. Denn warum sagt man zu einem Depressiven, er solle sich mal zusammenreißen? Würde man auch einem Querschnittsgelähmten sagen, er sollte mal endlich ein paar Schritte laufen? Psychische Erkrankungen sind genauso Erkrankungen, wie rein Körperliche es auch sind.

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