Zwiespalt: Mutter

Domburg Meer Strand

Ich bin Mama und fühle mich manchmal ziemlich zwiegespalten.

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Und damit meine ich nicht, dass ich zwischen dem Frau-Dasein und dem Mutter-Dasein stehe. Sondern eher zwischen Meinungen von Außen und meinem Bauchgefühl, das ich auf natürlich Weise als Mutter habe und nach dem ich handele.

„Meinst Du nicht, es ist zu früh, dass er alleine zur Schule geht?“

„Meinst Du nicht, ein Fußballverein wäre gut für ihn?“ 

„Hat er denn Spass am Gitarrenunterricht?“

„Du musst Dich auch mal durchsetzen!“

„Kann er denn schon lesen? Das musst Du auf jeden Fall mit ihm üben!“

„Bei ihr musst Du aber echt mal strenger sein, sonst nimmt sie Dich nicht ernst!“

„Sei doch nicht immer so streng mit ihr!“

„Warum ist er nur immer so zappelig?“

Ich könnte diese Liste beliebig weiter führen. Und es ist wirklich faszinierend, was für Fragen, Meinungen, Äußerungen bei zwei völlig normal entwickelten Kindern aufkommen. Und jedes mal, ja wirklich jedes Mal fühle ich mich zwiegespalten.

Ich stehe zwischen „ich weiß, was gut ist“ und „hm… muss ich da etwas ändern?“. Grundsätzlich bin ich immer für Selbst-Reflektion und auch mal Dinge, die man tut in Frage stellen. Aber in Sachen Erziehung mache ich Vieles aus dem Bauch heraus und mit dem Herzen. Ich bin streng, bei Werten und Dingen, die mir wichtig sind, bin aber gerne auch mal leger, lache mit den Kindern und mache aus ernsten Themen auch mal Spass. Ängste der Kinder nehme ich dagegen sehr ernst und wenn sie sich etwas zutrauen und ich ein gutes Gefühl dabei habe, dann lasse ich sie meist einfach auch mal machen. Am Ende solcher eigenverantwortlichen Aktionen steht nämlich meist ein stolzes und zufriedenes Kind. Und am Ende, so hoffe ich, stärkt es sie fürs Leben.

Aber warum muss ich zweifeln? Warum sind Kinder ein Bereich, indem jeder scheinbar Mitspracherecht erteilt bekommt, urteilen darf, Ratschläge gibt.

Also, nicht falsch verstehen, ich bin schon offen für Kritik, aber ich möchte manche Sachen auch einfach mal so machen, wie ich sie nun mal mache. Und ganz ehrlich, dabei handelt es sich nicht um Entscheidungen, wie z.B. die Frage „Geht mein Kind in den Kindergarten oder nicht?“, sondern einfach nur Kleinigkeiten, Absprachen unserer kleinen Familie.

Und dennoch als Mutter musst Du hadern, musst überlegen, musst begründen, musst Dich rechtfertigen, musst einfach alles richtig machen.

Ich erziehe mit Herz und Gefühl. Sicher nicht immer perfekt nach pädagogischer Fachliteratur beurteilt, aber liebevoll.

Gerade hat Paula eine ziemliche Trotzphase. Mit 3einhalb will sie meist mit dem Kopf durch die Wand und die Stimmung kann in Sekundenschnelle kippen. Und sie ist anders, als es ihr Bruder Moritz war, anstrengender und willensstärker. Und laut nicht zu vergessen. Solche Aktionen kosten viel Kraft, vor allem, wenn man im Alltagstrubel versucht das Kind ruhig dazu zu bringen, dass z.B. das Anziehen eine notwendige Sache ist und dass man auch sonst zu spät kommt, weil man nun mal eben Arbeiten muss.

Gerade in solchen Phasen bin ich dünnhäutig und lasse vermeintliche gut gemeinte Kritik sehr nah an mich ran. In solchen Momenten hadere ich sowieso schon, weil eigentlich nichts so wirklich hilft und ich mich frage, was ich so alles falsch mache. Und was kann ich denn nun wirklich mal tun, damit ich nicht die zweite Woche in Folge jeden Morgen zu spät ins Büro komme?

Und dann kommt so ein Spruch wie „Da lässt Du Dich aber auch immer wieder um den Finger wickeln von ihr…“ und ich spalte mich einfach auf. Auf der einen Seite denke „jajajajajajajaaaaaaa, Herrgott noch mal, jaaaaaaaaaa…!“ und auf der anderen Seite „lasst mich doch einfach mal alle in Ruhe!“.

Und dann werde ich wütend. Wütend darüber, dass man als Mutter einfach ständig ein Patentrezept haben muss, keine Fehler machen darf und überhaupt die Erziehung immer im Griff haben muss.

Und ich bin auch eindeutig der Meinung, dass ich sie im Griff habe. Dennoch gibt es einfach Phasen, die schwer sind, die hart sind und wo ich einfach auch mal keine Bauchgefühl-Lösung habe. Und was ich dann am wenigsten brauche, ist eine Meinung zu meiner Erziehung. Vielmehr ist doch dann eine helfende Hand, die man sich wünscht. Etwas Unterstützendes und nichts Zerschmetterndes.

Weil, wir Mütter (oder auch Väter, die die Erziehung stemmen), solltet Ihr wissen, wir hadern schon genug. Wir zweifeln und wir fragen. Wir googlen und wir lesen nach, wenn das Bauchgefühl mal gerade nicht so eindeutig ist. Und wir machen uns sowieso schon immer einen Kopf um alles. Wir denken abends daran, was man morgens nicht vergessen darf einzupacken. Und denken im Büro an den Turnbeutel, den man mal wieder aus der Schule mit nach Hause nehmen muss, damit die Sportsachen auch noch mal die Waschmaschine sehen. Ach, und das Büchergeld muss abgeben werden!

Wir denken daran alles richtig zu machen und damit sind wir wirklich schon genug beschäftigt.

Also, Ihr Meinungsbilder da Draussen, spaltet uns nicht auf, das tun wir oft genug schon alleine. Und sind da sogar manchmal ganz gut drin.

Respekt ist etwas was dagegen hilft! Ja, echt, das stimmt!

 

 

 

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